Ich arbeite schon eine lange Zeit als Detektiv. Die Stunden, die ich während meiner Ermittlungen warten musste, stehen auf einem ganz besonderen Konto. Man muss trotzdem wach und konzentriert bleiben, denn in jeder Minute, in jeder Sekunde kann etwas Neues passieren. Es kann aber auch sein, dass ein Mensch, den man observiert, den ganzen Tag zu Hause bleibt. Das kann man vorher nie wissen. Diese Stunden des Wartens erfordern eine Menge Geduld und Durchhaltevermögen.
Ein Auftrag in meiner Laufbahn war es, den ganzen Tag eine Frau zu observieren, gegen die der Verdacht bestand, dass sie mit Drogen handelt. Man stellt sich diese Arbeit leicht vor, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich musste immer hoch konzentriert sein, sie einmal mit dem Auto, einmal zu Fuß verfolgen. Und das aber immer so unauffällig wie möglich. Auf die Kanne Kaffee von zu hause kann ich bei dieser Arbeit nicht verzichten. Sie hält mich bei der Stange. Ich folgte der Verdächtigen also den ganzen Tag lang. Und wenn sie vorgehabt hätte, um die Welt zu reisen, hätte ich hinterher fahren, fliegen oder laufen müssen.
Der ganze Tag war ziemlich ruhig, sie war einkaufen, im Freibad und auf einem Kaffeeklatsch mit einer Freundin. Mir war schon fast langweilig, bis sie am Abend das Haus noch einmal verließ, um mit dem Auto zum Bahnhof zu fahren. Ich hoffte, sie würde jetzt nicht einfach mit dem Zug wegfahren. Aber nein, es sollte anders kommen. Es traf ein, wie alle es vermutet hatten. Ich verfolgte sie unauffällig bis zu einem Ort, der wenig besucht war. Sie traf sich dort mit einem Mann; dem überreichte sie ein kleines Päckchen und bekam dafür ein paar Geldscheine in die Hand gedrückt. Davon machte ich ein paar Beweisfotos und ging damit zum Auftraggeber, ihrem ehemaligen Mann. Der wollte das Sorgerecht für die Kinder. Er informierte die Polizei. Diese verhaftete die Frau noch am selben Abend. Sie würde unter diesen Umständen das Sorgerecht verlieren, aber das ist gut, denn Kinder sollten nichts mit Drogen zu tun haben. Meine Arbeit war getan und ich fiel später todmüde in mein Bett. Die Geduld hatte sich wieder einmal ausbezahlt.
