Am 09.06.2010 wurde ein Großaufgebot an Polizisten eingesetzt, die drei DRK-Kliniken in Wedding durchsuchten, sowie 18 Privatwohnungen. Grund sind anonyme Hinweise, denen die Staatsanwaltschaft nachgegangen ist. Nicht nur die Durchsuchung mit insgesamt 150 Polizisten wurde durchgeführt, auch der Chefarzt der Radiologie in Mitte und zwei weitere Geschäftsführer medizinischer Versorgungszentren wurden festgenommen.
Ermittelt wird gegen sie wegen „banden- und gewerbsmäßigen ärztlichen Abrechnungsbetrugs”. Die Vorwürfe lauten darauf, dass Facharztbehandlungen abgerechnet wurden, obwohl diese von Assistenzärzten durchgeführt wurden. Insgesamt sind 24 Beschuldigte genannt worden und die Staatsanwaltschaft geht von 128 Fällen aus. Zusätzlich wird wegen Körperverletzung in 55 Fällen ermittelt. Ein finanzieller Schaden von 170.000 Euro ist sicher, aber die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Schaden in die Millionen geht.
Die DRK-Kliniken in Westend, Wedding und Köpenick, eine Privatklinik in Mitte und der Firmensitz der Klinikgruppe in Wilmersdorf wurden durchsucht, ebenso wie 18 Privatwohnungen in Berlin und vier im Umland der Stadt. Die Polizei stellte Unterlagen und Festplatten sicher, die es im Rahmen der weiteren Ermittlungen zu sichten gelte. Ebenfalls scheint es sicher zu sein, dass die Assistenzärzte, die die abgerechneten Leistungen durchführten, dafür keine finanzielle Entschädigung erhielten. Man geht aber davon aus, dass sie schneller zur Qualifikation als Facharzt kommen sollten.
Alleine in Wedding seien nach Angaben der Polizei extrem viele Assistenzärzte beschäftigt, ohne sie sei der Klinikbetrieb gar nicht mehr aufrecht zu erhalten. Wedding und Westend sind auch die beiden Kliniken, die am stärksten unter Verdacht stehen. Schon seit 2004 soll hier Abrechnungsbetrug im großen Stil erfolgt sein. Außerdem wurden Assistenzärzte für Aufgaben eingesetzt, für die sie weder ausreichend ausgebildet, noch zugelassen seien. Sogar körperliche Eingriffe seien ohne die notwendige Qualifikation von ihnen durchgeführt worden. Ein Patient musste nach der Behandlung sogar auf die Intensivstation verlegt werden, deshalb wurden auch Ermittlungen wegen Körperverletzung eingeleitet.
Schon im September 2009 wurde die Klinik in Wedding durchsucht. Nach einem anonymen Hinweis, der die gleichen Vorwürfe vertrat, konnte aber nichts nachgewiesen werden. Der DRK selbst will sich nicht äußern, sicherte aber die Unterstützung und Kooperation bei den Ermittlungen zu.
