Sich als Detektiv ausgeben

März 15th, 2010 · No Comments

Es gibt ja viele kuriose Ideen, auf die die Menschen in aller Welt so kommen. Sich als Detektiv auszugeben, ist eine davon. Da steht man in der Kneipe, dümpelt in sein Bierglas, plötzlich ergibt sich ein Gespräch mit Fremden. Sympathische Menschen, lustig, allesamt gut gelaunt und adrett gekleidet. Sicher hat man als Finanzbeamter ein solides Leben: Doch wer mag das schon zugeben, wenn er an der Reihe ist, sich den spannenden Geschichten der anderen anzuschließen. Der eine ist Eventmanager, einer ist ein viel gebuchter Musiker. Jeder hat Abenteuer zu berichten. Soll man da zugeben, dass man Tag für Tag die zwar wichtige, aber langweilige Arbeit im Büro verrichtet? Nicht alle schaffen es. Um mithalten zu können, gibt man dann an, als Detektiv zu arbeiten.

Warum ist es gerade der Detektiv, für den man sich ausgibt? Das alte Klischee ist Schuld daran. Der Detektiv, den man vor dem geistigen Auge hat, ist cool und gelassen in jeder Lage, hat jeden Tag Fälle mit absoluter Höchstspannung zu lösen. Frauengeschichten gehören dazu, ebenso wie die Vorzüge eines sehr freien Lebens. Also kann man sich mit den Federn dieses Klischees durchaus schmücken, denken sich manche. Das wirkliche Leben vom Detektiv ist nicht halb so spannend, wie man es für diesen einen Moment der Ausnahme zeigen möchte. Wichtig ist in diesem Fall, dass man für die anderen der interessante Gesprächspartner bleibt, der man sein wollte.

Es bleibt die Frage, ob der echte Detektiv zugeben würde, dass er einer ist – denn vielleicht ist er gerade mit Ermittlungen in der Kneipe beschäftigt? Vielleicht würde er sagen, dass er Finanzbeamter ist, um die netten, aber bei der Arbeit störenden Menschen freundlich loswerden zu können? Und wer weiß, vielleicht hätte der echte Finanzbeamte gar nicht lügen müssen, weil die netten neuen Freunde gar nicht so sehr auf den Beruf, sondern auf das Wesen des Gegenübers geachtet hätten.