Über diesen Auftrag musste ich zuerst einmal mit meiner Frau sprechen. Ich sollte einen Treuetest machen. Ein aufgeregter Klient hatte darauf bestanden, seine Gattin überprüfen zu lassen. Das war nun etwas, für das ich nicht so zu begeistern war. Leider entsprach ich rein optisch wohl genau der Zielgruppe, die für die Dame in Frage kam. Also sprach ich mit meiner Frau, ob sie etwas dagegen habe. Sie lachte und meinte, niemals, aber ich wäre gerne ein Mäuschen. „Du und eine Frau anbaggern?“ Sie traf einen wunden Punkt. Ich war von Natur aus etwas schüchtern, und hätte meine Süße damals nicht den ersten Schritt gemacht, wäre ich wohl immer noch Single und kinderlos. Ich nahm den Auftrag an, um mich selbst einmal zu überwinden. „Dass mir das aber nicht zur Gewohnheit wird!“ scherzte meine Frau und zwinkerte mir zu.
Adrett gekleidet, frisch rasiert und mit Parfüm eingestäubt machte ich mich auf den Weg. Der Klient hatte wissen lassen, dass seine Frau im Einkaufszentrum sei, und mit einer Freundin zum Kaffee verabredet war. Diese Freundin gehörte mit zum Team, sie hatte die Frau angerufen und bestellt, wollte sie aber versetzen. Der Lockvogel war es auch, der dem Mann ein gewisses Misstrauen eingeredet hat. Ich kannte die Frau nur von einem Foto. Nervös grübelte ich, ob ich sie auch erkennen würde, wie ich sie ansprechen konnte und so weiter.
Im Café angekommen sah ich sie schon sitzen. Sie nippte an ihrem Latte Macchiato und blickte auf ihre Armbanduhr. Ich eilte zum Tisch, um sie kräftig zu rempeln. Tatsächlich schüttete sie sich den Kaffee über den Rock. Ich entschuldigte mich tausend Mal, und begann, mit ihr zu flirten. Ein dümmerer Spruch, als „Wie gut der Kaffeefleck doch zu Ihren tollen braunen Augen passt!“ fiel mir nicht ein. Ich bot ihr an, die Reinigungskosten zu übernehmen und fragte sie, ob ich mich einen Moment setzen darf. Ich trug eine Brille, in der eine Minikamera eingebaut war. So konnte ich genauestens dokumentieren. Tatsächlich durfte ich Platz nehmen.
„So allein unterwegs?“ fragte ich sie. Sie seufzte und erzählte mir von der Freundin, die sie versetzt hatte. Meine Neugierde, ob sie gebunden wäre, oder Single ist, beantwortete sie wieder mit einem Seufzen. Eigentlich sei sie verheiratet. Sie liebe ihren Mann auch sehr, nur er habe sie wohl vergessen. Immer sei er am arbeiten, die Kinder und das Haus seien ihr einziger Lebensinhalt geworden. Weil sie so vernachlässigt sei, würde sie immer wieder nach neuen Inhalten suchen. Ich ging in die Offensive und griff ihre Hand. Sie entzog sie mir sofort wieder, und meinte, sie wolle das nicht. Außerdem müsste sie sofort nach Hause, sie bedanke sich für meine Aufmerksamkeit. Statt der Reinigung sollte ich doch bitte den Kaffee bezahlen und ihr Stück Torte, das sie sich gegönnt hatte.
Ich zeigte dem Auftraggeber das Video und versicherte ihm, dass er eine liebende Gattin zu Hause hatte, die mit Tränen in den Augen von ihren Gefühlen berichtete. Schuldbewusst versprach er mir, etwas zu ändern, denn er liebe sie ja auch. Meine Frau wollte das Video auch sehen. Ich redete mich auf Geheimhaltungspflicht und Kundenschutz heraus. Das musste nun wirklich nicht sein. Aber auch ich überlegte, wie ich meiner Sonne einmal wieder etwas Gutes tun könnte. Und ich glaube, mir fällt auch grad was ein.
